hundert hunter holybones replica
Eine Installation zum Hören von Elisabeth
Schindler im Oktober 2002 im KUBO
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Eröffnungsrede zur Ausstellung am 25.10.2002
1. Weekend 1. Weekend Wir haben vor drei Jahren damit begonnen, sog. Weekend - Ausstellungen abzuhalten, drei oder vier Mal im Jahr. Ein Wochenende hat knapp 3 Tage und leider wird mancher die Ausstellung nicht sehen können. Dennoch, unsere Erfahrung zeigt, daß die Konzentration auf ein “weekend” funktioniert. Der größte Andrang herrscht bei der Eröffnung. Die anschließenden 2 Tage geben Raum für intensive Betrachtung und Kontakt zur Künstlerin. 2. Elisabeth Schindler im KUBO Elisabeth Schindler hat eine besondere Beziehung zum KUBO. Sie hat ein Jahr im KUBO gearbeitet. Sie hatte die Öffentlichkeitsarbeit für die Kunstvermittlung und für unsere Ausstellungen und unseren Kunstpreis übernommen. In diese Zeit fiel auch ihre Videoausstellung in der Städtischen Galerie und es wurde dort die Idee geboren, eine Ausstellung von ihr im KUBO zu realisieren. Nun, heute ist es soweit. Elisabeth Schindler ist dem KUBO erhalten geblieben, als Bildende Künstlerin. 3. Schwerpunkt Fotografie Die Ausstellungen des KUBOs einschließlich des Kunstpreises der letzten Jahre konzentrierten sich auf das Medium Fotografie. Wir betreiben dies aus der Sicht der künstlerischen Fotografie. So kann es uns passieren, oder man kann auch sagen: es gelingt, dass wir – wie bei Herwig Gillerke im Mai dieses Jahres – Fotografie und Malerei ausgestellt haben. Bei der ursprünglichen Verabredung mit Elisabeth Schindler dachten wir an Videoarbeiten der Künstlerin. Videos werden im Kunstbetrieb häufig gemeinsam mit Fotografie ausgestellt. In dieser Weekend-Ausstellung nun sehen Sie keine Malerei, auch keine Fotografie, aber auch kein Video. Was wir da haben passieren lassen, freut uns sehr. Denn unser Schwerpunkt ist ein künstlerischer Schwerpunkt, mit all den Freiheiten der Kunst. 4. Der Klang, der Ton und die Bilder Elisabeth Schindler hat während ihres Studiums an der HfK Bremen bei Rolf Julius mit der digitalen Soundbearbeitung begonnen. In den folgenden Jahren lag ihr künstlerischer Schwerpunkt zwar auf Video, die Unterlegung mit bearbeitetem Klang und Sprache waren jedoch stets Teil der Arbeiten. In der Regel spielt der Ton bei Videokünstlern eine besondere Rolle. Selten, dass man den Originalton unbearbeitet lässt. Zumeist wird er radikalisiert um die Bildwirkung zu brechen oder zu steigern. Irritationen werden herbeigeführt, „normales“ Sehen verhindert. Kein Wunder, dass es die Künstler reizt, dass es Elisabeth Schindler reizt, nur mit Ton zu arbeiten. Es ist folgerichtig, dass man das Bild auch weglassen kann und seine künstlerische Aussage konsequent als Installation des Klanges anlegt. So wird der Ton befreit von seiner Sekundärrolle als Unterstützung der Bildaussage. Und schon passiert etwas durchaus Gewolltes: die Bilder stellen sich automatisch ein. Wir stellen uns die interviewten Personen vor, wir sehen sie, und wir sehen Situationen, wir sehen Intentionen.
Ganz ohne erfundene Bilder bleibt die Sache dann aber wieder auch nicht. Elisabeth Schindler führt uns einen blauen Raum vor, aber einen Lichtraum, einen Wellenraum in blau, keinen Farbenraum. Dieser bildet die Bühne für den Klang, oder ist es der Klang?, der den blauen Raum definiert, als ob der Ton zu einem Luftbild wird. In "hundert hunter holybones replica" ist eine Zusammenstellung zu hören aus Sound mit Fragmenten aus einer Radioaufzeichnung und aus Interviews. Der Sound wurde digital moduliert, geschnitten und gemischt und bildet eine Art atmosphärisches Grundgerüst. In den Interviews, die
Elisabeth Schindler mit
verschiedenen Personen führte, befragte sie diese, was sie an Veränderung für
sich oder für ihre Umwelt wünschen würden. 5. Interviews Nach der ersten Beschreibung der Klanginstallation, die mir Elisabeth Schindler gab, habe ich einige Fragen zu ihrer Installation an Elisabeth gestellt. Ganz im Sinne der Methode von Interviews werde ich nun diese Fragen und die Antworten von Elisabeth Schindler vortragen. Ich finde, das passt zu dieser Installation, deren Klang zu einem wichtigen Teil auch aus Interviewantworten besteht. woher kommt dein Titel ? "hundert hunter holybones replica" was soll er bedeuten, oder warum benutzt Du ihn? Das ergibt sich aus der Arbeit selbst für die Hörer, zumindest zu einem gewissen Teil. Ich finde wirklich , dass Titel eine gewisse Assoziationsebene öffnen sollen, die nicht all zuviel festlegt und die nicht erklärbar sein muss. ( Das brauchst Du den Leuten ja nicht sagen, schick sie einfach zu mir, wenn sie dich fragen.) was bedeutet digitale Soundbearbeitung ?, gegenüber Soundbearbeitung oder analoger? Digital heißt digitale Grundlage, also alles auf binärer Verarbeitungsgrundlage. Alle Signale, die eingegeben werden, werden in binäre Informationen gewandelt
und dann so weiter verarbeitet, bis sie schließlich unter Umständen bei einer
Ausgabe wieder umgewandelt werden in analoge Signale. Eigentlich egal, aber erst
mit digitaler Soundbearbeitung hat man Möglichkeiten, ganz gezielter Eingriffe
an jeden Ort der Frequenz oder der Einmischungen, die man vor hat, sich
vorzunehmen und sie ist in diesem Sinne sehr viel umfangreicher zu machen. was heißt digital moduliert ? die Frequenzen, also Verzerrungen, Verlangsamungen ? Die ursprünglichen Frequenzen werden verändert. (In einem Wave-Editor hat man zum Beispiel eine graphische Oberfläche der Frequenz vorliegen, mit der man arbeitet) Diese werden in Höhe und Breite verändert, an welcher Stelle des Sounds auch immer das sein soll. Das sind nicht zwangläufig Verzerrungen, sondern der Ausgangston klingt tiefer oder höher oder langsamer oder schneller, auch ganz ohne verzerrt zu erscheinen Die Interviewten wurden gefragt, was sie an Veränderung für sich oder für ihre Umwelt wünschen würden. warum und in welchem Zusammenhang diese Frage, was hat sie gebracht , sind alle wiedergegeben? Der Ursprung ist, dass der Wunsch nach Veränderung in jedem Menschen eine Haupttriebfeder in seinem Leben ist und gerade in diesem Tun und Wirken aus dem Hintergrund heraus das tiefe Ineinandergreifen vom Individuum in gesellschaftliche und gesamtmenschliche Zusammenhänge ablesbar wird. (Die Antworten waren für mich oft sehr überraschend, da ich vorwiegend mir mehr oder weniger bekannte Personen befragt habe, da ich nicht nur ganz schnelle, oberflächliche Antworten wollte. Gerade von den Leuten, die ich wirklich näher kenne, war ich sehr überrascht, so dass ich sagen muss, man kennt die Leute nicht wirklich.) Genommen habe ich die Interviews mit guter Tonqualität (manche Leute trauen sich nicht ans Mikrofon ran. Das war manchmal sehr sehr schade). Wenige Interviews haben sich so geähnelt, dass ich jenes mit den kernigeren Formulierungen genommen habe. noch was zu Deiner Frage mit den Interviews, ergänzend zu meinem Anhang im letzten e-mail. (Die Sache mit dem Individuuellen, das in das Gesamte, in die Gesellschaft, in das Kollektivgeschehen eingreift): Es ist uns im Allgemeinen -glaube ich- gar nicht bewusst, wie sehr ein jeder gestaltend im Gesamten wirkt und eine Art "Kompost" oder "Humus" im Geschehen darstellt. Sehr häufig trifft man bei den Leuten so eine Art Gefühl an, bestimmt zu werden, von Regierungen, von den wirtschaftlichen Zusammenhängen, von weltpolitischen Geschehnissen, von sozialen Vorgaben - was ja AUCH zutrifft. Ich finde, dass in dieser phänomenal treibenden Kraft, etwas verändern zu wollen (was ja häufig stattfindet, ohne dass man sich darüber Rechenschaft gibt), sich gerade der gestaltende Aspekt eines jeden Individuums unmittelbar offenbart. warum führt die Wahrnehmung beim Zuhörer wieder zurück, ? wohin ? zum Kern der Aussagen ? Ja, genau, sollte es eigentlich. Ich hoffe, dass das auch so hinkommt. 6. Ein Abschlusswort Ist es Ihnen aufgefallen, dass es immer mehr oder jedenfalls viele Künstler gibt, die Kunst machen, die man schlecht oder gar nicht verkaufen kann, eine Installation zum Beispiel. Dass Künstler dies dennoch machen, bei aller Problematik, die damit für Künstler und Künstlerinnen verbunden ist und zu der wir uns als Gesellschaft verhalten sollten, das ist ein Geschenk. Vielen Dank, Elisabeth Schindler. Dr. Detlef Roth |
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